Kategorie-Archiv: Bürgerschaftliches Engagement

Baumeister Zivilgesellschaft: Regenbogenturm auf dem Geigerskopf

Geigerskopfturm Eine bedeutende zivilgesellschaftliche Tradition hat das Anlegen von Wanderwegen sowie das Bauen von Aussichtstürmen und Schutzhütten. Das protestierende Anketten an Schienen (z.B. in Gorleben) oder das bergsteigerische Erklimmen von Rußschleudern (etwa durch Greenpeaceaktivisten) sind insofern kurzfristige Varianten dieser in Gesellschaft und Landschaft eingreifenden Zivilgesellschaft.  Auf den beiden Fotos, die ich im Urlaub gemacht habe, steht neben dem leicht wirkenden, stabilen Turm auf einer Dankestafel, welche Unternehmen, Spender und Helfer zum Gelingen beigetragen haben: eine DanktafelVielzahl Privatpersonen, Freiberufler und Unternehmen aus der Region, zudem “10 weitere Spender, die nicht namentlich genannt sein möchten”. Das ist ein typisches Beispiel für trisektorales, bürgerschaftliches Engagement. Bauherr war der Schwarzwaldverein Oberkirch e.V., Architekt und Farbgestalter kommen ebenfalls aus Oberkirch. Der Turm ersetzte am 18. Juli 2000 den 1909 errichteten und am 13. November abgerissenen Aussichtsturm.

Srukturehrenamt, Projektehrenamt und Tischtennis (BeTTV)

Der Berliner Tischtennisverband (BeTTV) und die in ihm organisierten Vereine haben eine Engagementkultur, die stark auf Strukturehrenamt ausgerichtet ist – Ausschüsse, Verbandsgericht, Staffelleiter, Vereinsvorstände, Kassierer, Präsidium usw. sichern und organisieren Mannschafts- und Einzelspielbetrieb ab. Auch die Ebene der Übungsleiter und Trainer stellt aufgrund einer gewissen, notwendigen Trainingsintensität, um überhaupt so etwas wie Tischtennis zustande zu bringen, zumindest im Jugendbereich ein bedeutendes strukturbildendes Engagement dar. Übungsleiterpauschale und Honorare hin oder her,  nur in seltenen Fällen wird dieses Engagement zum Übergang in einen Beruf. Projektorientiertes Engagement kommt vor, stellt aber vor allem die Auskleidung von Strukturen dar – es gibt z.B. eine Reihe von zyklisch vorgesehenen Turnieren, die Turnierhelfer zum Auf- und Abbau, Turnierdurchführung oder auch Buffets benötigen. Jede dieser Unterstützungsmaßnahmen lässt sich zwar als ein Projekt für sich verstehen, doch tatsächlich bilden sich auch hier schnell Teams aus, die über Jahre hinweg diese Arbeiten absichern. Im Bereich inhaltlich offener, aber gleichwohl zeitlich mit einem überschaubaren Anfang und Ende versehener Projekte gibt es noch viel Luft nach oben – und unausgeschöpftes Potenzial. Potenzial, dass von den im Überfluß vorhandenen Strukturaufgaben einfach nicht angesprochen wird.

Engagementpolitik = Philanthropiepolitik + Partizipationspolitik

Der Begriff des Bürgerschaftlichen Engagements hat sich in den letzten 10 Jahren auch deshalb einbürgern können, weil er zwei politische Gestaltungsrichtungen zusammenbindet, bei denen es um ein verändertes Verhältnis von Staat, Bürger und Wirtschaft geht. Bei der einen Richtung geht es um die Ermöglichung bürgerschaftlich orientierten Teilens von Reichtum an Geld oder verfügbarer Zeit: Geldspende, Stiftungen und Ehrenamt sind die sinnfälligsten Formen davon. Dieser Philanthropiepolitik zur Seite steht die Partizipationspolitik, bei der es um mehr Teilhabe an politischen Entscheidungen selbst, aber auch im Vorfeld solcher Entscheidungen geht: Volksabstimmungen, Bürgerhaushalte oder öffentliche Konsultationen und Runde Tische sind hierfür einige wenige Beispiele. Engagementpolitik als Kombination von Philanthropie- und Partizipationspolitik sind in Deutschland die Erben einer desillusionierten Emanzipations- und Aufklärungstradition. Das könnte Vorbildwirkung auch für andere Länder haben.