Kategorie-Archiv: Philanthropie

Baumeister Zivilgesellschaft: Regenbogenturm auf dem Geigerskopf

Geigerskopfturm Eine bedeutende zivilgesellschaftliche Tradition hat das Anlegen von Wanderwegen sowie das Bauen von Aussichtstürmen und Schutzhütten. Das protestierende Anketten an Schienen (z.B. in Gorleben) oder das bergsteigerische Erklimmen von Rußschleudern (etwa durch Greenpeaceaktivisten) sind insofern kurzfristige Varianten dieser in Gesellschaft und Landschaft eingreifenden Zivilgesellschaft.  Auf den beiden Fotos, die ich im Urlaub gemacht habe, steht neben dem leicht wirkenden, stabilen Turm auf einer Dankestafel, welche Unternehmen, Spender und Helfer zum Gelingen beigetragen haben: eine DanktafelVielzahl Privatpersonen, Freiberufler und Unternehmen aus der Region, zudem “10 weitere Spender, die nicht namentlich genannt sein möchten”. Das ist ein typisches Beispiel für trisektorales, bürgerschaftliches Engagement. Bauherr war der Schwarzwaldverein Oberkirch e.V., Architekt und Farbgestalter kommen ebenfalls aus Oberkirch. Der Turm ersetzte am 18. Juli 2000 den 1909 errichteten und am 13. November abgerissenen Aussichtsturm.

Engagementpolitik = Philanthropiepolitik + Partizipationspolitik

Der Begriff des Bürgerschaftlichen Engagements hat sich in den letzten 10 Jahren auch deshalb einbürgern können, weil er zwei politische Gestaltungsrichtungen zusammenbindet, bei denen es um ein verändertes Verhältnis von Staat, Bürger und Wirtschaft geht. Bei der einen Richtung geht es um die Ermöglichung bürgerschaftlich orientierten Teilens von Reichtum an Geld oder verfügbarer Zeit: Geldspende, Stiftungen und Ehrenamt sind die sinnfälligsten Formen davon. Dieser Philanthropiepolitik zur Seite steht die Partizipationspolitik, bei der es um mehr Teilhabe an politischen Entscheidungen selbst, aber auch im Vorfeld solcher Entscheidungen geht: Volksabstimmungen, Bürgerhaushalte oder öffentliche Konsultationen und Runde Tische sind hierfür einige wenige Beispiele. Engagementpolitik als Kombination von Philanthropie- und Partizipationspolitik sind in Deutschland die Erben einer desillusionierten Emanzipations- und Aufklärungstradition. Das könnte Vorbildwirkung auch für andere Länder haben.